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Notiz zu Forum Liszt No 1: Ein Vortrag als Nachtrag

Dr. Eva-Maria de Oliveira Pinto:

Ein Vortrag als Nachtrag zu Liszts »Des Bohémiens et de leur musique en Hongrie« – Inhaltsskizze zu einem Vortrag, gehalten am 05.09.2019 an der National University of Music Bucharest 

Bemerkenswerterweise wurde Liszts Schrift »Des Bohémiens et de leur musique en Hongrie« nun bereits in beiden bisher erschienenen Ausgaben des »Forum Liszt« zum Ausgangspunkt diverser Überlegungen – und beweist nicht zuletzt dadurch, welche vielfältigen Anknüpfungspunkte diese Schrift bereithält. Die Originalfassung wurde in französischer Sprache konzipiert und nutzt einen nuancenreichen Wortschatz. Zitiert wird häufig die von Peter Cornelius übersetzte - und verkürzte - deutsche Fassung. Hieraus resultieren wiederum zahlreiche Forschungsgegenstände für eine transkulturell ausgerichtete musikwissenschaftliche Forschung, etwa: 

  • Inwiefern wurden Liszts Ausführungen durch die Übersetzung – die Trans-lation – verändert?
    Inhaltlich stellt sich die Frage, in welcher Weise Liszt die vorgefundene Zigeunermusik ›trans-ponierte‹ bzw. ›trans-medialisierte‹, also aus der Besetzung der Zigeunerkapellen in andere Besetzungen oder auf das Klavier übertrug?
  • Welche osmotischen Prozesse werden wirksam, sobald das Instrumentarium geändert wird? Wie veränderte Liszt die musikalische Substanz der gehörten Musik bei der Übernahme in seine Kompositionen? Wie übertrug er die Spezifika der Zigeunerinstrumente und den improvisatorischen Gestus der Zigeunermusik in ein Notat für Klavier? 
  • Welche Begrifflichkeiten nutzt Liszt, um die osmotischen Prozesse, die Prozesse der Transkription, der Aneignung und Übertragung zu beschreiben? Wie gibt die deutsche Übersetzung das nuancenreiche Vokabular der französischen Originalschrift wieder? Die Übersetzung lässt sich – ähnlich wie im kompositorischen Œuvre von Liszt – als Paraphrase, als Bearbeitung des französischen Originaltextes auffassen.
  • Wie lassen sich die gewählten Terminologien in ihrer Zeit bewerten – im französischen Original ebenso wie in der deutschen Übersetzung? 
  • Wie sind in diesem Zusammenhang die Quellen zu bewerten, auf die sich Liszt explizit oder auch weniger explizit bezieht? Immerhin war sein Kenntnisstand zur Ethnologie und darin zur ›Zigeunerforschung‹ seiner Zeit beachtlich. 

Einige Antworten kann die Druckfassung dieses Vortrages geben, die für eine der Folgeausgaben von »Forum Liszt« zur Verfügung gestellt wird. 

© Dr. Eva-Maria de Oliveira Pinto

Berlin, November 2019